Das Schneeprinzenpaar

Beim Blick aus dem Fenster war ich verwundert. So etwas hatte ich lange nicht mehr gesehen. Schneeflocken tanzten wild durcheinander. Frau Holle hatte über den Wolken ihr Herz ausgeschüttet. Tränen der Freude sind vom Himmel gefallen, verwandelten sich in glitzernde Kristalle. Aus dem grün – weiß - braunen Fleckerlteppich wurde ein perlweiß strahlender Flockerlteppich. Das Aschauer Land war ein Winterwunderland.

Leo der Schneemann fühlte sich wie einSchloßherr. Von Hohenaschau blickte er hinüber zur Kampenwand. Die eisige Kälte konnte ihm nichts anhaben. Frau Holle und Väterchen Frost beschützten ihn fürsorglich. Und doch fühlte er sich manchmal einsam. So auch am Faschingssonntag. Leo dachte sich: „Ich wär so gern der Faschingsprinz von Hohenaschau“ „Wo nur ist meine Faschingsprinzessin?“ Da erblickte er auf der Sonnenalm ein bezauberndes Schneemädl. Auf ihrem Haupt trug das Mädl eine Krone mit tausend Eiskristallen. Leo wußte sofort: Das ist meine Lady in Ice. Die Prinzessin von der Sonnenalm wollte zurücklächeln. Aber sie konnte ihren Prinz Leo kaum erkennen. Zwischen Hohenaschau und der Sonnenalm konnten sich die beiden nur anschauen wie entfernte Verwandte. Leo, der Prinz von Hohenaschau, und die Eisprinzessin von der Sonnenalm.

Die Sehnsucht wurde bei Leo immer stärker. Er wollte seiner Lady in Ice ganz nah sein. Zumindest im Traum. Und so träumte er seinen schönsten Traum. Der Faschingsprinz von Hohenaschau verliebte sich in die Prinzessin von der Sonnenalm. Er wollte sie unbedingt kennenlernen. Vor seinem ersten Date war er ziemlich aufgeregt. Wie nur sollte er auf die Sonnenalm kommen? Frau Holle wußte sogleich Rat: Sie schickte eine weiße Schneewolke. Pankratius, der Eisheilige gab dem Leo einen kräftigen Schubs, und schwups zog die Wolke mit Prinz Leo Richtung Sonnenalm. Die kalte Sophie, die auch aus der Eisheiligenfamilie stammt, schob mit dem Bergwind den Wolkenteppich turbomäßig an. Ihr machte es sichtlich Spass, den Bräutigam durcheinanderzuwirbeln. Dem Prinzen hatte es beinahe den Zylinder vom Kopf geweht. Die Karottennase wackelte und die dunklen Pflaumenaugen wollten schon aus ihren Augenhöhlen fallen. Leo mußte mit aller Kraft seine lockeren Körperteile festhalten, um nicht dermaßen zersaust vor der Lady in Ice zu stehen. Etwas verlegen fragte sich der Faschingsprinz, ob seine Erscheinung der Lady in Ice genügen würde. Auf der Sonnenalm setzte Frau Holle mit der weißen Wolke butterweich zur Landung an. Jetzt waren sie sich ganz nah. Leo, der Faschingsprinz von Hohenaschau Und die Lady in Ice, die Prinzessin von der Sonnenalm.

Ihre Blicke berührten sich, sie wollten sich umarmen. Plötzlich waren beide gleichermaßen erschrocken. „Wir wurden nur mit drei dicken Schneekugeln in die Welt gesetzt“ sagte Leo. Darüber mußten die zwei nun herzlich lachen. So war der Bann ganz schnell gebrochen. Die anfänglichen Berührungsängste waren weggeschmolzen. Leo war gleich ganz vernarrt in die Prinzessin. Seiner allerliebsten sang er fröhlich ein bekanntes Lied vor: „Ich bin ja so verschossen in deine Sommersprossen“ trällerte er lustig und amüsiert vor sich hin. „Das sind keine Sommersprossen, ich hab eine Sonnenallergie“ gestand ihm die Eisprinzessin etwas traurig und zerknirscht. Leo fand sofort ein paar tröstende Worte für seinen Schatz. „Du hast ja Tränen in den Augen, die sind wie reines Schmelzwasser aus dem innersten der Seele“ Sie wußten, daß sie nichtmehr lange bleiben können. Jetzt mußten sie schnell den Bund fürs Leben schließen. Bevor die Schneeglöckchen den Frühling einläuteten, sollten für die zwei verliebten die Hochzeitsglocken läuten. Die kalte Sophie meinte mitfühlend: “Ich werde euer Trauzeuge sein“ Bonifatius, der zweite Eisheilige flüsterte seiner Schwester zu: „Sei heute nicht so kaltherzig, damit die Hochzeitsgäste nicht schockgefroren der Zeremonie beiwohnen müssen“ Nun war es endlich so weit. Vor dem Gipfelkreuz der Kampenwand gaben sich Prinz Leo von Hohenaschau und die Prinzessin von der Sonnenalm das lang ersehnte Ja Wort.

Der Eisheilige Pankratius stellte die segensreiche Frage: „Wollt ihr euch trauen,bevor es anfängt zu tauen?“ Verliebt und wehmütig zugleich schauten sich die angetauten angetrauten ins Gesicht. „Liebling,wir sind geschrumpft“ meinte Prinz Leo zu seiner Lady in Ice. „Wir zwei sind eins, wir sind ineinander verschmolzen, nichts kann uns noch trennen“ flüsterte die Prinzessin von der Sonnenalm. Der Rosenmontag war der schönste Tag in ihrem Leben. Leo, der Schloßherr und die Lady in Ice waren nun ein Paar. Beim Brucker Wirt organisierte man eiligst das Hochzeitsmahl. An der Schneebar wurden kalte Platten aufgetischt. Dazu floß der Eiscocktail in Strömen. Das Faschingsprinzenpaar von Hohenaschau tanzte begeistert im Dreivierteltakt den Schneewalzer. Ihr Motto lautete: Lass uns heute leben. Morgen sind wir Schnee von gestern.

@ Georg Berghammer